Expeditionstagebuch

In dieser Kategorie berichten die Teilnehmer der Expedition in wechselnder Reihenfolge von ihren Erlebnissen.
Nach jeder Session entsteht so ein lebendiges Tagebuch voller Eindrücke, Gedanken und Perspektiven.

Achtung: Spoilerwarnung!

Wer die Kampagne „Die Berge des Wahnsinns“ selbst noch spielen möchte, sollte an dieser Stelle nicht weiterlesen. Das Tagebuch enthält zentrale Handlungselemente, Begegnungen und Wendungen der Geschichte. Einige Abläufe wurden in unserer Spielrunde verändert oder durch individuelle Entscheidungen der Spieler beeinflusst. Es handelt sich hierbei um ein persönliches Spielerjournal, kein Abenteuerleitfaden und keine Spielkritik, sondern um unsere ganz eigene Reise ins Ungewisse!


Eintrag vom 3. September 1933 – New York City

Das Hotel

Am 3. September verließen wir das Zimmer von Professor Moore. In drei Tagen sollte J. B. Douglas, der ehemalige Kapitän der Arkham, in New York eintreffen. Er hatte sich ein Zimmer im Rapsberry, einem schäbigen Hotel abseits des Trubels von Manhattan, genommen. Ich muss gestehen: Ich war ziemlich neugierig, diesen alten Seebären kennenzulernen – aber darauf mussten wir noch warten.

Auch heute gab es wieder reichlich Aufgaben. Spency, unser Buschpilot, sollte die drei Boeings und die Fairchild aus New Jersey abholen und ihre Funktionstüchtigkeit überprüfen. Währenddessen führten Bartlet und Schmitty eine Inventur unseres Lagers durch.

Am Pier angekommen, verbündete ich mich mit Fineruth, Polanski und Sjorge. Unsere Aufgabe: die Konstruktion der Hundekäfige. Hunderttausend Höllenhunde! Niemand hatte eine Anleitung mitgeliefert, geschweige denn die richtigen Teile. Zum Glück hatte ich vorher Hidalgo kennengelernt – der Kerl spricht kaum Englisch, aber mit Säge und Hammer ist er ein verdammter Zauberer. Einige Stunden später, mit seiner Hilfe, standen die Käfige fertig da. Das hatte ich mir mit einem kräftigen Schluck Schwarzgebranntem verdient.

Organisatorisches Chaos

Ein kurzer Abstecher zu den anderen zeigte: Im Großen und Ganzen lief es – irgendwie. Die Generatoren waren noch nicht eingetroffen. Bartlet fluchte, es sei nur ein einziges Kochgeschirr geliefert worden – und die Ersatzteile für die Sägen waren da, aber keine Sägen selbst. Merkwürdig… bei den Hundekäfigen hatten wir doch reichlich Werkzeug?

Immerhin: Alle Funkgeräte waren vorhanden und funktionierten – zumindest laut Smith. (Patzer.) Auf Seite 3 war auch alles in Ordnung. (Patzer.) Was fehlte: Der Sprengstoff samt Zündmittel. Laut Plan sollte er in Spezialkisten geliefert werden. Smith meinte lakonisch, wir könnten uns den Weg notfalls mit unseren 72 Schneeschaufeln freigraben… Ich frage mich allerdings: Wo sollen wir die alle lagern? Zwölf hätten doch vollkommen ausgereicht.

Essen, Käse & Katastrophen

Das Essen? Eine Katastrophe. Überall Falschlieferungen. Wenigstens hatten wir genug Sauerrahm und Milch – wir ließen beides in der Sonne stehen, um schnell unseren eigenen Käse zu produzieren.

Und dann das Schlimmste: Jemand hatte uns alle Mundharmonikas gestohlen! Verdammt, was sollen wir nur ohne Musik machen?

Für heute war das definitiv genug Drecksarbeit. Ab ins Amherst Hotel. Dort unterhielten sich unsere „Eierköpfe“ mit Zeigs, Orgelfinger und Winslow – ein Wetterforscher und ein Gletscherexperte. Ich gestehe: Ich hörte kaum zu.

Verfolgung & Messe

Da Sonntag war, wollten Smith und ich die Abendmesse von Harriemet Fostick besuchen. Ich achtete genau auf unsere Umgebung – und ich sollte recht behalten. Ich war schon bereit, unserem Verfolger eins überzubraten, als ich erkannte: Es war nur ein Paparazzo. Glück gehabt – meine Verfolger hatten mich noch nicht gefunden.

Mit einer Zeitung verbarg ich mein Gesicht und überließ Smith den neugierigen Linsen. Das sollte noch Folgen haben… aber dazu später mehr.

Eintrag vom 4. September 1933 – Amherst Hotel, New York City

Ich ging schlafen und wachte frühmorgens durch lautes Geschrei auf. Instinktiv griff ich nach meiner alten Betsy, die ich unter dem Bett versteckt hatte – aber ich beruhigte mich schnell, als ich die Stimme von Starkweather erkannte.

Die Hexe Lexington & eine Botanikerin

Diese Hexe Lexington war uns zuvorgekommen – und Starkweather tobte. Er war nun fest entschlossen, eine Frau mit an Bord zu nehmen. Saperlot, Frauen bringen doch Unglück auf See!

Unsere Abreise wurde auf den 9. September vorgezogen. Später stellte man uns die Dame vor: Charlene Witstone, eine Botanikerin.

Benny, der junge Kerl, beging beinahe eine Dummheit – ich bin mir sicher, er will auf der Reise einen ganz bestimmten Busch erforschen… Bei Gott, ich hoffe, er ist diskret und kann das vor Starkweather verbergen.

Eintrag vom 6. September 1933 – New York City

Früher Aufbruch ins Dunkel

Ich bin heute sehr früh aufgestanden, um gemeinsam mit meiner Bezugsgruppe das Hotel Wesbury aufzusuchen. Jetzt, da es draußen noch dunkel ist, scheint mir der ideale Zeitpunkt, um Kapitän J. B. Douglas aufzusuchen – hoffentlich noch bevor sich Reporter um unser Hotel scharen.

Professor Moore hatte ausdrücklich betont, dass Douglas nicht in den Trubel vor der Abreise hineingezogen werden möchte und wir diskret vorgehen sollen. Anders lässt sich auch kaum erklären, weshalb der Kapitän sich ausgerechnet in einem heruntergekommenen Stadtviertel so weit abseits von Manhattan einquartiert hat. Das Westbury ist meiner Einschätzung nach nicht einmal ein richtiges Hotel, sondern eher ein schäbiges Motel – die Bezeichnung Absteige trifft es wohl am besten.

Da ich gestern offenbar verfolgt wurde, bin ich heute besonders wachsam und warne auch meine Gruppe, größte Vorsicht walten zu lassen. Doch nur Herr Fletcher teilt meine Entschlossenheit zum frühen Aufbruch – die übrigen reagieren nicht auf mein Klopfen.

Schock am Frühstückstisch

Im Foyer bitte ich das Hotelpersonal, ein paar belegte Brote für uns vorzubereiten und einzupacken. Während ich darauf warte, gönne ich mir eine Tasse Kaffee und beginne, die Zeitung zu durchblättern – noch immer müde, aber entschlossen. Doch mein Blick bleibt auf einer Schlagzeile haften:

„Bekannter Hochseeschiffer ermordet! Kapitän Douglas: Tod am Hafen“

Ich kann es nicht fassen. Fassungslos rolle ich die Zeitung zusammen und eile zurück in unsere Etage. Dieses Mal bleibt es nicht bei höflichem Anklopfen – ich hämmere mit den Knöcheln an die Türen, bis alle wach sind. Auch in den Gesichtern meiner Gefährten erkenne ich Bestürzung. Selbst Professor Moore, dessen Zimmer sich auf unserer Etage befindet, wird nun geweckt – der Kapitän unserer Expedition wurde ermordet. Das müssen wir Moore mitteilen – und Starkweather ebenfalls.

Mit Ausnahme von Miss Charlene Witstone sind nun alle informiert. Wir verlassen eilig das Hotel Amherst und fahren mit dem Taxi von der 2nd Avenue zum Wesbury. Obwohl es noch vor Sonnenaufgang ist, lauern bereits Reporter vor unserem Hotel. Doch diesmal scheint mich niemand zu verfolgen.

Ankunft im Wesbury

Mit den ersten Sonnenstrahlen erreichen wir das verfallene Motel. Ich frage mich, ob es uns gelingen wird, das Zimmer des Kapitäns zu betreten – vielleicht finden wir dort Hinweise, die Licht ins Dunkel bringen.

Zuerst spricht Dr. Smith mit dem Inhaber des Motels, während Herr Fletcher das Gelände umrundet. Der Rezeptionist berichtet, dass das Zimmer von J. B. Douglas (Zimmer 23) versiegelt wurde. Ein Beamter des NYPD sei dort stationiert.

Gespräch mit der Polizei

Ich versuche, mit dem Polizisten ins Gespräch zu kommen – ein gewisser Jeremia Brams. Leider zeigt er sich ebenso verschlossen wie die Tür des Zimmers selbst. Herr Fletcher hatte ebenfalls keine Möglichkeit, von außen ins Zimmer zu gelangen – es liegt im ersten Stock, und die Fassade ist in einem besorgniserregenden Zustand.

Ich stelle mich vor und verlange, mit Leutnant Hansen vom Polizeirevier Battery zu sprechen. Ich mache klar, dass ich beabsichtige, auf ihn zu warten.

Improvisierter Plan

Währenddessen lässt sich Dr. Smith den Schlüssel zu Zimmer 21 aushändigen – es liegt direkt neben Zimmer 23. Laut Gästebuch wurde es zuletzt von einem Michael Sothcott bewohnt. Wie es der Zufall will, gibt es eine Verbindungstür zu Zimmer 23 – leider verschlossen.

Da uns die Expertise im Schlossknacken fehlt (und wir vom NYPD nicht gerade unbemerkt sind), scheint der Plan zunächst zum Scheitern verurteilt. Ich buche zusätzlich Zimmer 19, das ebenfalls an das Zimmer des Kapitäns angrenzt – allerdings ohne Verbindungstür. Lautstark zeige ich mich empört über den Zustand des Raumes – in der Hoffnung, das Personal und den Polizisten abzulenken.

Der Trick gelingt: Während ich den Rezeptionisten mit Beschwerden beschäftige, gelingt es Mr. Spencer, den Universalschlüssel an sich zu nehmen, die Tür zu öffnen – und ihn unauffällig zurückzubringen.

Der Tatort

Ich bleibe in meinem Zimmer und sorge mit lautem Umräumen und Putzen für Ablenkung. Währenddessen betreten Dr. Smith, Mr. Fletcher und Mr. Spencer endlich Zimmer 23.

Das Bild, das sich ihnen bietet, ist erschütternd:
Alles ist durchwühlt. Bilder liegen zerschmettert auf dem Boden, Rahmen zerstört. Die Kleidung aus einer Kiste ist über den schmutzigen Dielen verteilt. Notizzettel liegen verstreut. Auf dem Schreibtisch liegen mehrere Logbücher des Kapitäns – aber das wichtigste fehlt: jenes zur ersten Antarktis-Expedition.

Ein Foto zeigt die „Arkham Miskatonic“, das Expeditionsschiff der letzten Südpazifikreise. Ein weiteres zeigt zwei Männer – vermutlich J. B. Douglas und seinen Bruder Philip.

Auf den Zetteln finden sich Telefonnummern – unter anderem zu Starkweather im Amherst Hotel, Acacia Lexington und ein gewisser Gerald Brackman, ein Notar, wie Mr. Spencer später herausfindet.

In Zimmer 21 und 32 entdecken wir zudem Streichholzschachteln mit den Aufdrucken Purple Cup und Twenty-One Club – Hinweise auf mögliche Treffpunkte oder Verbindungen.

Der ungeöffnete Brief

Ein bedeutender Fund ist ein handgeschriebener, noch nicht abgeschickter Brief von Douglas an seinen Bruder Philip. Darin bringt er seine Wut über Starkweathers falsche Behauptungen gegenüber der Presse zum Ausdruck – er habe keineswegs zugesagt, an der Expedition teilzunehmen.

Douglas erwähnt außerdem einen seltsamen Mann im Wesbury, der ihn über das Buch „Die denkwürdigen Erlebnisse des Arthur Gordon Pym“ von Edgar Allan Poe ausfragt – eine Geschichte über Antarktisreisen, Schiffbruch und einen kannibalischen Stamm.

Rückkehr und neue Spurensuche

Unsere Recherchen blieben nicht unbemerkt – obwohl Wachmann Brams wohl nichts Verdächtiges bemerkt hat, wollen wir kein Risiko eingehen. Wir verlassen das Wesbury und nehmen mangels Taxi die Straßenbahn zurück zum Hotel Amherst – eine logistische Herausforderung.

Wir diskutieren das weitere Vorgehen. Ich schlage vor, eine Detektei mit der weiteren Ermittlung zu beauftragen. Uns rennt die Zeit davon – die Abreise ist bereits auf den 9. September vorverlegt – und wir sind weder ausgebildete Ermittler noch ortskundig (mit Ausnahme von Mr. Spencer). Außerdem sind unsere Gesichter inzwischen in jeder Zeitung abgedruckt.

Im Hotel hat sich die Lage zugespitzt: Die Reporter belagern nicht nur den Eingang, sondern auch die Flure. Sie drängen sich vor unseren Zimmern, wollen alles über den Mord an Douglas und seine Auswirkungen auf die Expedition wissen.

Begegnung mit Leutnant Hansen

Im Gedränge entdecken wir einen Mann, der uns ins Auge fällt – und der uns gezielt anspricht: Leutnant Hansen vom NYPD.

Ich erkläre ihm, dass wir gerade aus dem Wesbury kommen und beabsichtigt hatten, mit ihm zu sprechen. Ich erwähne auch, dass ich bereits gestern vor Ort war, weil Douglas seinen Bruder Philip treffen wollte – wir machten uns Sorgen.

Über unseren heimlichen Einbruch schweigen wir natürlich. Doch auch Hansen hält sich bedeckt. Er verabschiedet sich mit der Absicht, Starkweather und Moore zu befragen.

Plan B: Detektei

Den Pressevertretern versuchen wir auszuweichen – leider ohne Erfolg. Ein Gespräch mit Moore oder Starkweather bleibt bis zum Abend unmöglich.

Tim, der Rezeptionist, empfiehlt mir das Detektivbüro „Walter Wintschen & Sohn“, mit dem ich telefonisch Kontakt aufnehme und einen Termin für den nächsten Tag vereinbare.

Mr. Fletcher schwört zwar auf die „Pinkerton’s National Detective Agency“, doch da ich im Foyer keinen entsprechenden Flyer finde, bleibe ich vorerst bei Tims Empfehlung.